Kuba

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Mit einer Fläche von 10 922 m² ist Kuba die größte Antilleninsel. Es erstreckt sich in west-östlicher Richtung über eine Länge von 1250 km. Bei Betrachtung der Inselgestalt liegt der Vergleich mit einer Eidechse nahe, wenn man als Kopf den gebirgigsten Ostteil Cubas deutet.

Architektur

Von den Bauten aus vorkolumbischer Zeit ist nichts erhalten geblieben, da für ihre Errichtung nur vergängliches Material wie Holz und Lehm verwendet wurde. Ihre architektonischen Grundformen leben aber bis heute in den ländlichen Bohíos – kleinen Lehmhütten mit aufgesetzten Strohdächern – fort.
Die anschließende, mehr als 400 Jahre dauernde spanische Kolonialperiode bestimmt bis zum heutigen Tag die Architektur Kubas. Spätgotische Bauwerke wie in Santo Domingo auf Hispaniola sucht man aber auf Kuba vergebens. Umso prächtiger entfaltete sich in den nachfolgenden Jahrhunderten der mudéjare und barocke Baustil bei Kirchen, Klöstern, Palästen und Festungen. Die Altstädte von Havanna, Santiago, Trinidad, Camagüey und Guanabacoa sind noch heute zum großen Teil von dieser Architekturperiode geprägt.
Die Bautätigkeit des 19. Jahrhunderts wurde durch großartige Plätze, monumentale Regierungs-, Theater- und Hotelbauten sowie durch Errichtung neuer Wohnviertel außerhalb der Altstädte gekennzeichnet. Neoklassizismus, Historismus und Eklektizismus bestimmten die Baustile jener Zeit bis hinein in unser Jahrhundert. Die moderne Zweckarchitektur erhielt nach der Revolution Auftrieb für den Bau neuer Wohnviertel und Sozialeinrichtungen, während die Innenstädte durch die Enteignung der Hausbesitzer allmählich zu verfallen begannen. Vor einigen Jahren war die kubanische Regierung mit Unterstützung der UNESCO bestrebt, die Altstädte unter Wahrung ihrer historischen Bausubstanz zu sanieren.

Kuba und Sehenswürdigkeiten

Sehenswürdigkeiten in Havanna

Infolge des zunehmenden Tourismus, aber eines gewachsenen Geschichtsbewusstseins begann man in den letzten Jahrzehnten besonders im Altstadtbereich mit Restaurierungsarbeiten. Das Havanna-Projekt beschränkte sich nicht nur auf die Wiederherstellung von historischen Bauwerken, sondern strebt auch die Restaurierung der vom Verfall bedrohten Wohnviertel an. Dabei richtete man ein besonderes Augenmerk auf die Wahrung von gewachsenen Sozialstrukturen, das heißt enge Nachbarschaft von Kleingewerbe, Wohnungen und Geschäften.
Nun zeigt Alt-Havanna dem Besucher nicht mehr allein das Bild einer langsamen verfallenden Pracht. Auch hinter den vielen noch immer schäbigen Fassaden pulsiert das Leben. Die extreme Armut, der man in der Karibik sonst überall begegnet, fehlt, doch auch die anderorts von zahlreichen Restaurants, Läden und Märkten geschaffene Atmosphäre.

Der Rundgang durch Alt-Havanna beginnt auf der Plaza de Armas unmittelbar am Hafen. Zur Wasserseite hin liegt das zweitälteste Festungswerk Amerikas, das Castillo de la Real Fuerza, eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Es wurde zwischen 1558 und 1577 unter der Leitung von Francisco Calona an der gleichen Stelle wieder errichtet, wo sich das 1555 durch Korsaren zerstörte Fuerza Vieja befand. Dem zentralen Festungsgebäude mit Innenhof sind vier mächtige Bastionen und ein kleiner Turm angefügt. Die Bronzestatue auf der Turmspitze stellt die legendäre Dona Isabel de Bobadilla dar. Sie war die Gefährtin des Conquistadors Hermán de Soto, der im Jahr 1539 den Mississippi entdeckte, und bekleidete als einzige Frau auf Kuba den Rang eines Generalgouverneurs. Einer Legende zufolge soll sie von dem Turm ständig Ausschau nach de Soto gehalten haben, woran sie allmählich erblindete. Bei der Nachricht von seinem Tod starb sie bald vor Kummer. Unter dem Namen „Girardilla“ bekannt, wurde sie zur Symbolfigur des alten Havannas. Das 1632 gegossene Original befindet sich heute im Nationalmuseum.

Umgeben wird die Festung von einem tiefen Wassergraben in Form eines vierblättrigen Kleeblattes. Zunächst für die Zwischenlagerung der Gold- und -Silberladungen genutzt, diente das Bauwerk später als Sitz der Generalkapitäne, bis es schließlich 1762 von den Engländern eingenommen wurde. Das dort untergebrachte Waffenmuseum erinnert an die bewegte Vergangenheit des Festungsbauwerks.
Gleich gegenüber des Castillos befindet sich der Templete, die Nachbildung eines kleinen dorischen Tempels, eine der vielen Sehenswürdigkeiten. Im Jahr 1828 wurde er im klassizistischen Stil erbaut und diente als erste Tagungsstätte des Stadtrates von Havanna. Im Innern sind großflächige Gemälde des Frankokubaners Vermay mit Themen aus der Geschichte Cubas zu besichtigen. Vor dem Templete wurde ein kleiner Obelisk zum Gedenken an die erste Messe auf Kuba errichtet, die 1519 an dieser Stelle unter eine Ceiba (Kapokbaum) gelesen worden ist. Der heutige Baum ist allerdings erst einige Jahrzehnte alt und hatte bereits einige Vorgänger.

Rechts vom Templete öffnet sich der Blick zum wohl schönsten Platz Alt-Havannas, der Plaza de Armas. Von gut restaurierten Gebäuden und Sehenswürdigkeiten umgeben, ähnelt die Plaza mit ihren schattigen Kapokbäumen und Königspalmen eher einem kleinen Park. In ihrer Mitte befindet sich ein Denkmal, das dem kubanischen Patrioten Carlos Manuel Céspedes gewidmet ist. Die Geschichte des Platzes begann 1768, nachdem ein Hurrican große Zerstörungen angerichtet hatte. In einem königlichen Erlass wurde die völlige Umgestaltung des Geländes zu einem repräsentativen Platz angeordnet, dem auch die stark beschädigte Pfarrkirche weichen musste. Mit der Neugestaltung wurde der bereits erwähnte Architekt Fernandez Trevejos beauftragt. Von dem früheren Zentrum Havannas ließ er nur das Castillo Real Fuerza stehen. Die gesamte Ostseite des Platzes wird von der Front der Casa del Conde de Santovenía eingenommen, die vermutlich im Jahr 1784 erbaut wurde. Eine Bogenarkade mit umlaufendem Balkon trägt die schön gegliederte Fassade.

Als architektonisches Pendant erhebt sich auf der gegenüberliegenden Seite das spätbarocke Placio de los Capitanes Generales. Für mehr als 150 Jahre sollte dieses Gebäude als Amtssitz der regierenden Generalkapitäne dienen, nachdem man sich lange Zeit mit dem Castillo Real Fuerza als Provisorium begnügen musste. Die Erbauer waren der schon erwähnte Architekt Trevejos und sein Mitarbeiter Medina. Während der ersten Bauphase von 1776 bis 1792 gingen die Arbeiten nur sehr langsam voran. Erst 1835 stand das Bauwerk vor seiner Vollendung, was vermutlich an dem außerordentlichen Materialaufwand gelegen hat.
Die beste Reisezeit für Kuba ist von November bis April.